Solidarität ohne Israel?

Stellungnahme der DIG Leipzig zu den Vorfällen auf der #unteilbar-Demonstration am 6. Juli 2019

Wie angekündigt haben wir, die Deutsch-Israelische Gesellschaft Leipzig, am 6. Juli an der Leipziger #unteilbar-Demonstration „Solidarität statt Ausgrenzung“ teilgenommen. Dabei kam es zu Zwischenfällen mit Organisatoren der Versammlung. An unserem Treffpunkt traten drei Ordner an uns heran und verkündeten, dass es im Bündnis einen Konsens gegen Nationalfahnen gebe. Es blieben uns daher zwei Optionen: Entweder die Israelfahnen einzupacken oder den Schluss der Demonstration zu bilden. Nachdem wir dem nicht beipflichteten, gab uns einer der Ordner zu verstehen, dass wir in jedem Fall nichts im vorderen Teil der Demonstration zu suchen hätten. Die Behauptung von #unteilbar, es wäre ausdrücklich kein Verbot ausgesprochen worden, ist nicht korrekt.

Offenbar gehörten Israelfahnen nicht zur gewünschten Außenwirkung der #unteilbar-Demo in Leipzig. Das ist bemerkenswert nach den antisemitischen Vorfällen, die bei der letzten Demo am 13. Oktober 2018 in Berlin für Aufsehen sorgten. Damals hetzten Anhänger der palästinensischen Terrororganisation PFLP und der antisemitischen Boykottkampagne BDS gegen Israel. [1] Wir hatten erwartet, dass #unteilbar in der Zwischenzeit angemessene Schlüsse gezogen hat. Der verkündete Konsens, der sich gegen die Nationalfahne des jüdischen Staates richtete, hat uns entsetzt. Ob der Kurdistan-Solidaritäts-Block, der einige Fahnen der Demokratischen Föderation Nordsyrien (DFNS) und ihrer Streitkräfte zeigte, ebenfalls zurechtgewiesen wurde, ist uns nicht bekannt. Wir hoffen es nicht.
Die ablehnende Haltung gegen Israelflaggen auf der Demonstration kam fast ausschließlich vonseiten der Organisatoren. Nach den Vorfällen konnten wir uns in den Block des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) einreihen. Der DGB vertritt eine klare Position für deutsch-israelische Beziehungen und gegen den Boykott von Israel. Aus dem angrenzenden Gesundheitsblock wurde uns mehrfach zu verstehen gegeben, Abstand zu halten, da man nicht mit Nationalfahnen in Verbindung gebracht werden wolle.†

Antisemitische Vorfälle gab es vereinzelt. Ein Teilnehmer fragte, warum wir die Fahne der Juden mitführten, obwohl diese in der Welt alles zerstören würden. Aus einem vorbeifahrenden Auto zeigte eine Person den „Wolfsgruß“ der türkisch-faschistischen Grauen Wölfe in unsere Richtung. Dieser Vorfall hat angesichts der Bündnispolitik von #unteilbar einen besonders bitteren Beigeschmack.Weiterhin wird #unteilbar von Organisationen unterstützt, die Verbindungen zu islamistischen und rechtsextremen Kreisen aufweisen. Das wurde bereits im Oktober 2018 öffentlich debattiert. Auch die DIG Leipzig hat sich im Vorfeld der Leipziger Demonstration ausführlich dazu geäußert. [2] Der umstrittene Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) ist weiterhin Erstunterzeichner von #unteilbar. Kürzlich trat der Bildungsbeauftragte von ATIB, dem größten Mitgliedsverband des ZMD, mit schwulenfeindlichen Äußerungen in Erscheinung. [3] ATIB weist in seiner Organisationsgeschichte Verbindungen zu den besagten Faschisten der Grauen Wölfe auf. Die Grauen Wölfe gelten als größte rechtsextreme Organisation in der Bundesrepublik.

Unsere Teilnahme war als Ermutigung gedacht, die Sichtbarkeit jüdischer und israelischer Symbole in Zeiten wachsenden Antisemitismus zu erhöhen, zumal Israelfeindlichkeit die häufigste Erscheinungsform des zeitgenössischen Antisemitismus ist. [4] Wenn im Bündnis Wert darauf gelegt wird, dass Israelfahnen keinen Platz bei #unteilbar haben, ist das nicht nachvollziehbar. Dass der Versuch, die Sichtbarkeit zu unterbinden, gescheitert ist, lag allein an den vielen Teilnehmern, die sich mit uns solidarisierten. Die Haltung des Bündnisses erweckte den Eindruck, dass die Positionierung von #unteilbar gegen Antisemitismus nur oberflächlich ist. Das allgegenwärtige Problem des israelbezogenen Antisemitismus wird offenbar ausgeblendet. Das ist eine Leerstelle, die der instrumentellen Israelsolidarität der AfD zusätzlichen Auftrieb verschafft. Es scheint trotz aller Hinweise unbegriffen zu sein, dass israelbezogener Antisemitismus sich in letzter Konsequenz gewaltvoll gegen Jüdinnen und Juden richtet. Ein allgemeines Verbot von Nationalflaggen muss an einer Einsicht in die Virulenz und Domianz des israelbezogenen Antisemitismus scheitern.

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft ist davon überzeugt, dass es im Kampf gegen jeden Rechtsextremismus keine Indifferenz und keine doppelten Standards geben darf. Die Akzeptanz von Rechtsextremismus und Antisemitismus muss überall bekämpft werden, also auch innerhalb von #unteilbar.

[1] https://jfda.de/blog/2018/10/13/unteilbar-grossdemo-in-berlin/; https://www.mena-watch.com/mena-analysen-beitraege/redner-auf-unteilbar-demonstration-fordert-vernichtung-israels/
[2] https://dig-leipzig.de/2019/07/04/kein-schulterschluss-mit-islamismus/
[3] https://twitter.com/Volker_Beck/status/1147166116231438340
[4] https://dig-leipzig.de/2019/06/26/unteilbar-gegen-antisemitismus/ ; Vgl. Monika Schwarz-Friesel/Jehuda Reinharz. Die Sprache Der Judenfeindschaft Im 21. Jahrhundert. De Gruyter, 2013, S. 194-250; Vgl. Monika Schwarz-Friesel, Antisemitismus 2.0 und die Netzkultur des Hasses. https://www.linguistik.tu-berlin.de/fileadmin/fg72/Antisemitismus_2-0_kurz.pdf, S. 8 ff.

„Kein Schulterschluss mit Islamismus!“

Deutsch-Israelische Gesellschaft Leipzig kritisiert Bündnispartner von #unteilbar Sachsen 

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft Leipzig zeigt sich besorgt über die mögliche Teilnahme von israelfeindlichen und islamistischen Kreisen an der Leipziger Demonstration ‚Solidarität statt Ausgrenzung“ am 6. Juli 2019. Bereits bei der Berliner #unteilbar-Demonstration am 13. Oktober 2018 kam es zu antisemitischen Vorfällen durch Anhänger der palästinensischen Terrororganisation PFLP und die israelfeindliche Boykottkampagne BDS. [1] Als Erstunterzeichner von #unteilbar Sachsen sind auch Organisationen und Dachverbände verzeichnet, die wegen ihrer Kontakte in das rechtsextreme und islamistische Milieu umstritten sind. 

So der islamische Dachverband Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD). Etliche Vertreter des Dachverbandes, darunter der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek, waren kürzlich mit Sympathiebekundungen für den verstorbenen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi in Erscheinung getreten. Mursi war bis zu seinem Sturz 2013 politischer Kopf der islamistischen Muslimbruderschaft in Ägypten. [2] Mitgliedsverband des Zentralrats der Muslime ist ferner ATIB, die in der Organisationsgeschichte Verbindungen zu den neofaschistischen ‚Grauen Wölfen‘ aufweist, welche als größte rechtextreme Organisation der Bundesrepublik gelten. [3] 
In der Kritik steht außerdem das ZMD-Mitglied Deutsche Muslimische Gemeinschaft (DMG, vormals: Islamische Gemeinschaft in Deutschland). Die DMG ist der größte Verein, in dem sich Anhänger der islamistischen Muslimbruderschaft organisieren. [4] Zum Dachverband gehört außerdem das schiitische Islamische Zentrum Hamburg, durch dessen Funktionäre die vom iranischen Regime jährlich angeordneten antisemitischen Quds-Märsche in Berlin unterstützt werden. [5] 

Unter den Leipziger Unterstützern des #unteilbar-Aufrufs ist die studentische Gruppe Muslimische Hochschulgemeinde Leipzig (MHG). Die MHG Leipzig hat 2015 in Leipzig Spenden für die Organisation Islamic Relief Deutschland gesammelt. [6] Islamic Relief Deutschland und Islamic Relief worldwide, die Partnerorganisation in Großbritannien, an die der Löwenanteil des deutschen Spendenaufkommens geht, gilt als Teil des Netzwerks der Muslimbruderschaft. [7] Ferner ist Islamic Relief in der Vergangenheit als Sponsor der muslimbrudernahen IGD (heute: DMG) in Erscheinung getreten. [8] Islamic Relief worldwide steht mit seinen nationalen Sektionen im Verdacht, an der Finanzierung der antisemitischen Terrororganisation Hamas beteiligt zu sein, dem palästinensischen Ableger der Muslimbruderschaft. [9] Im Mai diesen Jahres führte die Muslimische Hochschulgemeinde in Leipzig erneut eine Veranstaltung mit einer Spendenaktion von Islamic Relief durch. [10] 

Weiterhin wird #unteilbar von Organisationen unterstützt, die Verbindungen zu islamistischen und rechtsextremen Kreisen aufweisen. Für die Deutsch-Israelische Gesellschaft kommt eine Solidarisierung mit diesen Milieus nicht in Frage. Wenn der ‚Sommer der Solidarität‘ glaubwürdig werden soll, scheiden solche Bündnispartner aus. 

Es erscheint fraglich, ob der Zentralrat der Muslime und die Muslimische Hochschulgemeinde Leipzig zur Aufklärung beitragen. Offenbar reicht es aus, wenn Akteure jeden Bezug zur Muslimbruderschaft bestreiten. Im Dossier Islamismus der Bundeszentrale für politische Bildung heißt es hingegen: „Glaubwürdig ist eine Leugnung der Nähe zur M[uslimbruderschaft] nur, wenn man diese Bezüge offen bekennt und sich dann begründet und explizit von der Ideologie und den führenden Denkern der M[uslimbruderschaft] distanziert.“ [11] 

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft Leipzig will an ihrer Teilnahme an der Leipziger Demonstration festhalten. Die Akzeptanz von Rechtsextremismus und Antisemitismus muss überall bekämpft werden – auch innerhalb von #unteilbar.“

Belege:

[1] https://jfda.de/bl…/2018/…/13/unteilbar-grossdemo-in-berlin/ ; https://www.rbb24.de/…/unteilbar-demonstration-kritik-musli…

[2] https://www.tagesschau.de/…/konstraste-muslimbrueder-101.ht…

[3] https://www.bpb.de/…/graue-woelfe-die-groesste-rechtsextrem…

[4] https://www.bpb.de/…/…/die-muslimbruderschaft-in-deutschland

[5] https://www.ndr.de/…/Islamisches-Zentrum-in-der-Kritik,izh1…

[6] https://www.islamicrelief.de/…/Par…/Partnership_Nr.67_DE.pdf

[7] https://www.merkur.de/…/islamic-relief-hat-kontakte-zur-mus…

[8] http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/18/109/1810923.pdf (Seite 7)

[9] https://www.mena-watch.com/finanziert-deutsches-aussenamt-…/

[10] Fotos zum Fastenbrechen mit der Katholischen Hochschulgemeinde u.a. am 11. Mai 2019: https://www.facebook.com/pg/MHGLeipzig/photos/?tab=album&album_id=1279701468852340&__xts__%5B0%5D=68.ARD2pLzEN2y8_BoSYI2n7ijX4ipMXRQtznYaiafEWvG15USP814qu-y83yC_qC-eNmPOw-lHDMo8mw15D-piGiQN6SZeb7qKc0Gq0X8HrgFNUeYLnsBLcH-7pcjTbkB3GDQ77wiWQ4pZWLWGVnRZAwwpy4mjOi0n37171W81zXSuAkj_njKRkCvJoEd1pRW97EWJDVwxZAHIE-5ERr-KWQJFhlDlVkFVmW72fUhiq9pWf8j3AqZ9YV1TIEm3yP6h9b8VGD-zEUoEoGUFJpHALxsZmF5SpO8Fx0A3gBTATNp_S5fYpObjuS9HOTdFfgGR6fFhpKY8WQ4CJqpXBejfTFu0tg&__tn__=-UC-R

[11] https://www.bpb.de/…/…/die-muslimbruderschaft-in-deutschland

DIG Leipzig begrüßt Stadtratsbeschluss gegen Antisemitismus

Zur Jüdischen Woche 2019 setzte der Leipziger Stadtrat mit einer breiten Mehrheit ein Zeichen gegen Judenfeindschaft. Der Beschluss verurteilt alle Formen einschließlich des israelbezogenen Antisemitismus und der antisemitischen Boykottkampagne BDS. Auch muslimische Judenfeindschaft findet ausdrückliche Erwähnung. Als Bewertungsgrundlage dient fortan die Arbeitsdefinition Antisemitismus der IHRA (International Holocaust Remembrance Alliance), die vom Bundestag zur flächendeckenden Anwendung empfohlen wurde. 

Im November 2018 hatte der Auftritt der offen antizionistischen Theatergruppe „Les Ballets C de la B“ beim Leipziger „euro-scene“-Festival für Unmut gesorgt. Trotz der Kritik hatte das städtisch geförderte Schauspiel Leipzig an der Einladung festgehalten. Mit dem Beschluss des Stadtrats dürfte eine Rückkehr an städtische Bühnen unmöglich sein, da israel- und judenfeindlichen Initiativen und Personen keine kommunalen Räume und Gelder zukommen dürfen.  

Leipzig verpflichtet sich mit dieser Entscheidung, die Erfassung antisemitischer Vorfälle voranzutreiben. Bis Ende 2019 soll die Verwaltung ein Konzept zur Weiterentwicklung der Antisemitismus-Prävention in Leipzig erarbeiten.  

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft Leipzig begrüßt diesen klaren und weitreichenden Beschluss. Er ist ein Fortschritt bei der Bekämpfung des zeitgenössischen Antisemitismus. Nun ist es an der kritischen Öffentlichkeit, die Maßnahmen zu begleiten und eine effiziente Umsetzung zu gewährleisten.

Unteilbar gegen Antisemitismus

-Demonstrationsaufruf am 6.Juli in Leipzig-

#unteilbar gegen Antisemitismus

Wir, die Deutsch-Israelische Gesellschaft Leipzig, unterstützen den Aufruf von #unteilbar Sachsen und rufen zur Teilnahme an der Demonstration „Solidarität statt Ausgrenzung“ vom 6. Juli in Leipzig auf. Die Gefährdung der Demokratie durch rassistische Mobilisierungen, Terroranschläge sowie rechtsextreme Kräfte in der AfD erfordert den Schulterschluss aller demokratischen Strömungen in Sachsen. Völkische, rassistische und antisemitische Bestrebungen müssen von der Staatsmacht ferngehalten und von ihr aktiv bekämpft werden.

#unteilbar heißt für uns auch, gegen jeden Antisemitismus einzutreten. Hassreden und Übergriffe kommen heute keineswegs nur aus der Rechten, sondern auch aus islamischen Communities, linken Gruppen und nicht zuletzt der Mitte der Gesellschaft. Während sich Israelfeindschaft und antisemitisches Verschwörungsdenken milieuübergreifender Beliebtheit erfreuen, gehen antisemitische Morde an Juden in Europa im 21. Jahrhundert zumeist auf islamistisch beeinflusste Täter zurück. Diese vielschichtige Bedrohungslage betrifft nicht nur Juden und Israelis. Sie ist ein zentrales Problem für jede Demokratie.

Juden und Israelis sind an vielen Orten des Landes nicht sicher. Nach Übergriffen sehen sie sich oftmals im Stich gelassen. Bei der #unteilbar-Demonstration in Berlin am 13. Oktober 2018 hetzten auch Anhänger der palästinensischen Terrororganisation PFLP und der Boykottkampagne BDS gegen Israel. Die Organisatoren von #unteilbar haben anschließend versichert, dass sie solche antisemitischen Äußerungen nicht hinnehmen möchten. Wir möchten sie beim Wort nehmen und daran anknüpfen. Gleichzeitig setzen wir mit unserer Teilnahme ein Zeichen gegen jede rechte Instrumentalisierung von Israelsolidarität, die nur dazu dient, den Antisemitismus in den eigenen Reihen zu kaschieren. Eine Partei, die Geschichtsrevisionismus, Holocaustrelativierung und judenfeindlichem Verschwörungsdenken eine Plattform bietet, ist keine „Schutzmacht der Juden“.

Das Sprechen von Hebräisch und das Zeigen jüdischer und israelischer Symbole sind mancherorts zum Sicherheitsrisiko geworden. Zahlreiche Angriffe, z.B. auf das koschere Restaurant Schalom in Chemnitz, zeugen davon. Juden und Israelis werden in der deutschen Öffentlichkeit wieder zunehmend unsichtbar. Unsere Beteiligung an der #unteilbar-Demonstration möchte dazu beitragen, die Unsichtbarkeit für einen kurzen Moment zu durchbrechen. Wir möchten dazu ermutigen, die Zeichen des Judentums und des Staates Israel auf der Demonstration mitzuführen. Denn wir wollen in einer Gesellschaft leben, in der Gewalt und Ausgrenzung gegen Juden und Israelis keinen Platz haben – ganz gleich, von wem sie ausgehen.

Israel – Die multikulturelle Gesellschaft

Vortrag und Diskussion mit Oliver Vrankovic (Amidar, Israel)
im Rahmen der Jüdischen Woche Leipzig

Montag, 24. Juni 2019 von 19:00 bis 22:00
Universität Leipzig, Hörsaal 6

In Israel treffen auf engstem Raum westliche und orientalische Denk- und Verhaltensweisen, unterschiedliche Religionen, Anschauungen und Kulturen aufeinander. Die Identitätsfrage beschäftigt das Land mehr als jede andere Frage und ist in jeden Konflikt verwoben. Die multikulturelle und multiethnische Vielfalt macht es unmöglich d e n Israeli zu bestimmen. Bestehende Gräben zwischen Säkularen, National-Religiösen, Ultraorthodoxen und Arabern werden ständig vertieft und zugeschüttet. Gleichzeitig verlaufende Desintegrations- und Integrationsprozesse zeichnen das Land.
Israel ist das Gegenteil einer homogenen Gesellschaft, wie sie vor allem von Gegnern, aber auch von unreflektierten Sympathisanten angesehen wird.

Der Vortrag verbindet die Erfahrungen des Referenten, die er an Orten gesammelt hat, an denen kein Israel-Korrespondent zu finden ist, mit der Geschichte des Einwandererstaates
Zu den Erfahrungen gehören das Leben in der jüdisch-arabischen Stadt Yafo, in einem Brennpunktviertel im Süden von Tel Aviv, in einem Moshav im Galiläa und als Familie in einem sozial schwachen Viertel in Ramat Gan, die Arbeit in einem Krankenhaus und einem Pflegeheim und die Recherche zu verschiedenen Themen, die mit Identität, Integration und Kultur zu tun haben. Thema des Vortrags sind Integrations- und Desintegrationsprozesse in Israel.

Oliver Vrankovic arbeitet in einem israelischen Elternheim der Organisation für Einwanderer mitteleuropäischer Herkunft und schrieb u.a. Beiträge für die Jüdische Allgemeine und die Wochenzeitung Jungle World.

Schlafstunde und Zionismus – Die letzten Jeckes in Israel

Vortrag von Oliver Vrankovic (Amidar, Israel)
im Rahmen der Jüdischen Woche

Dienstag, 25. Juni 2019, 19 Uhr
Volkshochschule Leipzig
(Löhrstr. 3-7, 04105 Leipzig, Germany
)

Obwohl ihnen Deutschland für immer verleidet wurde, kam es für die Jeckes — die deutschen und kulturdeutschen Juden — nach ihrer Auswanderung zu keinem Ablösungsprozess von ihrem kulturellen Erbe. Die heute Hochbetagten trafen in jungen Jahren auf ein von osteuropäischen Pionieren dominiertes jüdisches Gemeinwesen, das ihnen viel Argwohn entgegenbrachte. Der Wechsel von der deutschen in die eretz-israelische Heimat verlief als schwieriger Prozess von Negation und Affirmation. Trotz ihrer holprig verlaufenden Integration haben die Jeckes überproportional viel zur gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklung des
jüdischen Gemeinwesens und später des jüdischen Staates beigetragen. Israel wurde durch die deutschen und kulturdeutschen Juden erkennbar geprägt. Aus den Einwanderern aus Deutschland wurden Israelis. Israelis, die Deutsche geblieben sind.

Ein Vortrag über die letzten Jeckes; jene deutschen und kulturdeutschen Juden, die in den 30er Jahren nach Palästina geflüchtet sind und zu Mitbegründern des Staates Israel wurden.

Oliver Vrankovic arbeitet in einem israelischen Elternheim der Organisation für Einwanderer mitteleuropäischer Herkunft und kennt die Bewohnerinnen und Bewohner und deren persönliche Geschichte, die mit der Weltgeschichte eng verflochten ist, aus nächster Nähe. Sie stammen aus Familien, die sich in Mitteleuropa wohl fühlten und integriert glaubten. Noch heute sind in ihnen die Abdrücke jenes liberalen Bürgertums zu erkennen, das in Europa längst untergegangen ist.

Jerusalem als Sehnsuchtsort aus jüdischer Perspektive

Vortrag von Rabbiner Baruch Babaev ( Jüdische Kultusgemeinde Groß-Dortmund)
im Rahmen des Israeltags

Dienstag, 14. Mai 2019, 19 Uhr
Ariowitsch-Haus (Hinrichsenstraße 14, 04105 Leipzig)

Im Zuge der kürzlich entfachten Debatten über das Schicksal Jerusalems spricht Rabbiner Babaev – Gemeinderabbiner der Jüdischen Kultusgemeinde Dortmund – über die Bedeutung der Stadt für das jüdische Volk. Dabei stützt er sich mancherorts auf die Heilige Schrift. Zugleich unternimmt er den Versuch, die Jahrtausend lange Geschichte Jerusalems von ihrer Gründung bis in die Gegenwart zusammenzufassen.

Mit musikalischer Umrahmung durch den Eltern-Schüler-Lehrer-Chor des musikalisch-sportlichen Gymnasiums Leipzig der Rahn Education.

Veranstalter: Jüdisch-Christliche Arbeitsgemeinschaft Leipzig, Deutsch-Israelische Gesellschaft Leipzig, Ariowitsch-Haus e. V.

Der letzte Nazijäger

Vortrag und Diskussion mit Efraim Zuroff (Simon Wiesenthal Center, Jerusalem)
Auf Englisch (mit Simultanübersetzung)

Montag, 20. Mai 2019, 19 Uhr (Einlass: 18:30 Uhr)
Großer Saal, Ariowitsch-Haus (Hinrichsenstraße 14, Leipzig
)

Wenn NS-Kriegsverbrecher weltweit vor Gericht stehen, ist meist Efraim Zuroff als Fahnder oder Beobachter daran beteiligt. Der als „letzter Nazijäger“ bekannte Historiker und Leiter des Simon Wiesenthal-Centers in Jerusalem ist ein ständiger Mahner für die Aufarbeitung der NS-Verbrechen. Rund 40 Täter brachte er vor lokale Gerichte – verurteilt wurden jedoch die wenigsten.

Neben juristischen Schwierigkeiten und Misserfolgen, die sein Vorhaben mit sich bringt, wird Zuroff in seinem Vortrag auch über aktuelle Formen des Antisemitismus berichten. Denn auch wenn die letzten Täterinnen und Täter sterben, sieht Zuroff seine Aufgabe als noch nicht beendet an: »Wir kämpfen gegen die Verzerrung des Holocaust und gegen den Antisemitismus, aber auch gegen die Delegitimierung Israels«. Da es seit der Gründung Israels aufgrund der Bedrohung durch die Nachbarstaaten und deren weltweite Unterstützerinnen und Unterstützer kaum eine Periode des Friedens gab, stand die Verfolgung der NS-Verbrechen nicht immer an erster Stelle. Auch dieses Dilemma innerhalb der israelischen Politik und Gesellschaft wird Zuroff in seinem Vortrag thematisieren.

Efraim Zuroff wurde in New York geboren, 1970 ging der Historiker nach Israel. 1978 begann er für das Simon Wiesenthal Center zu arbeiten, zunächst in Los Angeles. Heute leitet er das Büro der Organisation in Jerusalem und ist zuständig für die weltweite Suche nach Nazi-Täterinnen und Tätern.

Für Israel streiten – Ein Workshop für die Praxis

Mit Jörg Rensmann und Matheus Hagedorny

Sonntag, 10. März 2019, 11 – 17:30 Uhr
Ariowitsch-Haus (Hinrichsenstraße 14, 04105 Leipzig, Germany)

Wer für Israel eintritt, stößt häufig auf Abwehr und eine Feindseligkeit, die mit antisemitischen Stereotypen operiert. Festgefügte Mythen über die Geschichte und Politik Israels spielen hierbei eine zentrale Rolle.

Unser ca. sechsstündiger Workshop wird sich auf drei stets wiederkehrende Themen antiisraelischer Kampagnen konzentrieren: Die These vom systematischen „Landraub“ durch Zionisten, das Narrativ vom „Freiluftgefängnis“ Gaza und die Rede vom „Apartheidsstaat“. Nach einem ersten Teil, der Informationen und Antworten liefert, werden wir anschließend Erfahrungen mit Debatten zu Israel austauschen und gemeinsam Handlungsstrategien für die Praxis erproben. Wie reagiere ich auf Stereotypen, Halbwahrheiten und antisemitische Denkweisen? Wann haben Gegenargumente eine Chance und wann nicht mehr?

Der Workshop richtet sich an Interessierte, die in der Öffentlichkeit, im Job oder im privaten Umfeld mit israelfeindlichen Argumentationsweisen konfrontiert sind.

Leitung: Jörg Rensmann (Mideast Freedom Forum Berlin) und Matheus Hagedorny (DIG Leipzig)

Buchvorstellung: Globaler Antisemitismus

Buchvorstellung und Diskussion mit Prof. Samuel Salzborn

Mittwoch, 20. Februar, 19 Uhr
Vortragssaal der Bibliotheca Albertina
(Beethovenstraße 6, 04107 Leipzig)

Seit den islamistischen Terroranschlägen von 9/11 ist weltweit eine Ausweitung und Radikalisierung von Antisemitismus festzustellen – jenseits alter Abgrenzungen zwischen den politischen Spektren. Antisemitismus ist zur globalen Integrationsideologie von Islamisten, Neonazis,
Globalisierungsfeinden und Antiimperialisten geworden. Deren Hauptfeindbild heute: Israel. Im Vortrag wird diese Entwicklung wie ihre historischen und theoretischen Hintergründe analysiert und für einen neuen Universalismus plädiert, der zur Grundlage für eine erfolgreiche Bekämpfung von Antisemitismus weltweit werden kann.

Samuel Salzborn ist Gastprofessor für Antisemitismusforschung am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin und Senior Fellow am Centre for Analysis of the Radical Right (CARR).