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Léon Poliakov – Memoiren eines Davongekommenen

Mittwoch, 4. März 2020, 19 Uhr, Universität Leipzig (Seminarraum 1, Grimmaische Straße 12)
Buchvorstellung und Diskussion mit Janina Reichmann, Alex Carstiuc und Jonas Empen, moderiert von Dr. Nicolas Berg (Dubnow-Institut)

Léon Poliakov musste als Kind mit seinen Eltern vor der Oktoberevolution fliehen und gelangte über Berlin nach Paris, wo sein Vater das Pariser Tagblatt ins Leben rief und zum populären Sprachrohr von Schriftstellern wie Heinrich Mann und Oskar Maria Graf machte. 1940 geriet Léon Poliakov in Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Flucht schloss er sich der Résistance an und beteiligte sich an der Rettung von Juden. Noch während der Befreiung Frankreichs begann Poliakov mit der Sammlung von Täterdokumenten und war Mitglied der französischen Delegation bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen. Schon 1951 entstand auf Anregung von Alexandre Kojève und Raymond Aron seine Studie „Le Bréviaire de la haine“ (dt.: Brevier des Hasses), der erste systematische Versuch, den Massenmord an den Juden zu dokumentieren. Poliakov betonte im Gegensatz zu deutschen Historikern schon sehr früh die zentrale Rolle des eliminatorischen Antisemitismus. Aber die um die Deutungshoheit der Shoa ringenden deutschen Geschichtswissenschaftler haben den Résistanceaktivisten und Autodidakten im akademischen Betrieb bis heute ignoriert.

Eine Veranstaltung mit dem Jungen Forum DIG Leipzig, in Zusammenarbeit mit dem Beauftragten für jüdisches Leben im Freistaat Sachsen.