Jahresausklang der DIG Leipzig

Donnerstag, 6. Dezember 2018, 19 Uhr
Ariowitsch-Haus (Hinrichsenstraße 14, 04105 Leipzig)

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft Leipzig lädt ihre Mitglieder und Interessierte zum gemeinsamen Ausklang des Jahres 2018 ein. Mit Wein und Snacks blicken wir gemeinsam auf ereignisreiche Monate zurück.

Antisemitismus – Die Wiederkehr des Verdrängten

Wenn wir heute, am 80. Jahrestag der Novemberpogrome, an die jüdischen Opfer der Shoah erinnern, dann nur mit dem nachdrücklichen Hinweis darauf, dass die Vernichtung der europäischen Juden auch heute noch keine „bewältigte Vergangenheit“ darstellt. Im Gegenteil: Ein beträchtlicher Teil des heutigen Antisemitismus entsteht gerade aus und äußert sich im Modus der Erinnerungsverweigerung, der Geschichtsvergessenheit, der Umdeutung deutscher Geschichte. Diese Geschichte wird relativiert, wenn Schlachthöfe, Abtreibungen oder die Bombardierung Dresdens als „Holocaust“ bezeichnet werden. Diese Geschichte wird revidiert, wenn linke, rechte und islamische Israelfeinde den Staat der Holocaust-Überlebenden mit Hitlerdeutschland, israelische Militäraktionen mit Nazi-Methoden gleichsetzen. Diese Geschichte wird umgedeutet, wenn islamistische Prediger oder rechte Demagogen sich und ihre Anhänger als „die neuen Juden“ inszenieren. All dies sind Versuche, eine Auseinandersetzung mit der Tatsache und den Nachwirkungen der Shoah in Deutschland abzuwehren. Ein aufrichtiges Erinnern an die Shoah aber muss den inneren Widerstand, den die Unerträglichkeit der Judenvernichtung hervorruft und der ihre Verdrängung bedingt, überwinden. Die Ermordung von sechs Millionen Juden, die individuelle, familiäre Schuld daran und das Ausmaß der Verstörung, das diese Tatsache evoziert, muss akzeptiert und ertragen werden, um eine Wiederholung der Barbarei zu verhindern.

Novemberpogrome und Solidarität mit Israel

Unser Kranz in Gedenken an die Leipziger Opfer der Novemberpogrome ist mit einer Solidaritätsadresse an den jüdischen Staat versehen. Damit möchten wir daran erinnern, was Juden weltweit einen wesentlichen Halt gibt: Es ist Israel, der Fluchtpunkt und die Versicherung für jüdisches Leben. Israel war und ist notwendig, um die Sicherheit und Freiheit von Juden zu sichern, wo andere Staaten und Gesellschaften versagt haben und weiterhin versagen. Israel ist der Staat, der seit seiner Gründung jüdischen Flüchtlingen eine Heimstatt garantiert. Heute konzentriert sich der Antisemitismus auf diesen sicheren Hafen der jüdischen Welt. Allen voran das islamistische Regime des Iran droht dem Land mit Auslöschung und strebt hierfür nach Atomwaffen. Trotz dieser Lage geht die Anerkennung der Opfer des Holocaust immer wieder mit einer Vernachlässigung oder sogar Delegitimierung der Sicherheitsinteressen der größten jüdischen Gemeinschaft der Welt einher. Ein solches Gedenken an die Vernichtung der europäischen Juden ist aber ein kostenloses Ritual. Eine lebendige Erinnerung an die Shoah schließt die Solidarität mit dem jüdischen Staat Israel ein.

Dem Antisemitismus keine Bühne!

Drei Tage vor dem 80. Jahrestag der Novemberpogrome eröffnet das Leipziger Tanz- und Theaterfestival „euro scene“ im Schauspiel Leipzig mit einem Beitrag der belgischen Ballettgruppe „Les ballets C de la B“. Deren Choreograph Alain Platel propagierte den kulturellen Boykott Israels bereits, bevor die Kampagne Boycott, Divestment and Sanctions (BDS) im Jahre 2005 gegründet wurde.
Die Direktorin des Festivals, Ann-Elisabeth Wolff, will in dem antiisraelischen Engagement des Ensembles lediglich eine kontroverse demokratische Meinungsäußerung erkennen. Die Grundlage der antisemitischen Bewegung BDS ist allerdings die Diskriminierung von Israelis im Kulturleben und die Delegitimierung des jüdischen Staates. Deren Aktivisten betreiben weltweit die Ausladung israelischer Kulturschaffender und setzen diejenigen unter Druck, die in Israel arbeiten und auftreten oder sich von israelischen Stellen fördern lassen, was das Klima im Kulturbetrieb zusehends vergiftet. Um Ärger mit den militanten Aktivisten von BDS zu vermeiden, verzichten einige Kulturinstitutionen lieber auf Förderung und Einladungen aus Israel. Nach dem Versuch der Ruhrtriennale, Propagandisten dieser offenen Diskriminierung in den demokratischen Diskurs zu integrieren, wird diesen nun in Leipzig erneut eine Bühne gegeben.
Die DIG Leipzig verurteilt die Akzeptanz der Festivalleitung auf Schärfste. Denn die Stadt unterhält einen vielseitigen und intensiven Austausch mit ihren israelischen Partnern, nicht zuletzt in ihrer Partnerstadt Herzliya. Der verheerende Eindruck, dass Israelis und Juden in der Leipziger Kulturszene nicht willkommen sind, muss verhindert werden. Die Propagandisten von BDS dürfen in Leipzig keine Bühne bekommen. Erst recht nicht, wenn diese Bühne wie das Schauspiel aus öffentlichen Mitteln gefördert wird. Die Leipziger Stadtpolitik muss jetzt handeln und rote Linien ziehen.

Antisemitismus oder Kunstfreiheit?

In Leipzig regt sich Protest gegen das „euro-scene“ Festival wegen antiisraelischen Teilnehmern

Die Eröffnung des jährlich stattfindenden Festivals „euro scene“ für zeitgenössischen Tanz und Theater in Leipzig am Dienstag wird in diesem Jahr von Protesten begleitet. Der Grund: Eröffnen soll die belgische Theatergruppe „Les Ballets C de la B“, die sich seit Jahren am kulturellen Boykott von Israel beteiligt. Wie auf der Internetseite des Ensembles nachzulesen ist, unterstützen die Künstler die weltweite Kampagne „BDS“ (Boykott, Divestment and Sanctions) [1], die zum Boykott israelischer Künstler, Unternehmen und Waren aufruft. Der Choreograph der Gruppe, Alain Platel, war bereits im Sommer dieses Jahres als Befürworter von BDS auf der umstrittenen Ruhrtriennale aufgetreten, wo es zur Debatte über Antisemitismus in der deutschen Kulturbranche kam. Der Bundesbeauftragte für Jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus, Dr. Felix Klein, hat BDS wiederholt als „im Kern antisemitisch“ bezeichnet, da sie den jüdischen Staat zu isolieren und delegitimieren versucht.

Auf kritische Nachfragen im Vorfeld verteidigten die Veranstalter von „euro scene“ die Auswahl der Theatergruppe. Festivaldirektorin Ann-Elisabeth Wolff berief sich in einer Stellungnahme auf das Recht auf freie Meinungsäußerung der Künstlerinnen und Künstler. Da das betreffende Stück nicht um den Nahostkonflikt, sondern um Afrika handele, sehe sie keine Veranlassung, die Einladung zu widerrufen.

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft in Leipzig kritisiert den Umgang des Theaterfestivals scharf: „Kurz vor dem 80. Jahrestag der Novemberpogrome eröffnet das euroscene-Festival sein Programm mit einer Gruppe, die Israelis mit Nachdruck aus dem kulturellen Leben ausschließen will. Es ist unerträglich, dass am 6. November BDS-Unterstützer im Schauspiel auftreten, bevor drei Tage später und wenige Schritte entfernt den Opfern antisemitischer Verfolgung in Leipzig gedacht wird“, sagte der Vorsitzende Matheus Hagedorny. Die Reaktion der Festivaldirektorin auf Kritik zeige, dass sie bereit ist, antisemitische Diskriminierung als legitime politische Meinung zu akzeptieren.

Aus dem Stadtrat kommen deutlichere Signale: Die Fraktionen der SPD, Grünen und CDU legten vergangene Woche unter dem Titel „Gegen jeden Antisemitismus“ einen weitreichenden Antrag vor, der Israelfeindlichkeit verurteilt und Unterstützer antisemitischer Boykottbewegungen von städtischen Fördergeldern und Räumlichkeiten ausschließen soll.

„Die Stadt Leipzig unterhält seit vielen Jahren starke und vielseitige Beziehungen zu ihren israelischen Partnern, nicht zuletzt zu ihrer israelischen Partnerstadt Herzliya“, so die Pressesprecherin der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Leipzig, Anja Thiele. Es bedürfe klare Regeln in der Verwaltung, um weitere Störversuche gegen den internationalen Austausch zu unterbinden: „Wir hoffen, dass der Antrag eine breite Mehrheit im Rat erhält und dazu beiträgt, die Stadtgesellschaft gegenüber antisemitischen Bestrebungen zu sensibilisieren.“


[1] http://www.lesballetscdela.be/en/#/news/232

Leipzig, den 5. November 2018

Joseph Wulf – ein Schriftsteller in Deutschland

Filmvorführung und Gespräch mit Anselm Meyer und Alex Carstiuc anlässlich des 80. Jahrestags der Novemberpogrome

Donnerstag, 8. November, 18.00 Uhr
Cineding (Karl-Heine-Straße 83, 04229 Leipzig)

Die erste Generation der Shoa-Historiker ist in Deutschland bis heute weitestgehend unbekannt oder vergessen. Entgegen dem gängigen Glauben an ein jahrzehntelanges Beschweigen der Ereignisse begannen jüdische Aktivisten bereits während der millionenfachen Vernichtung mit der Dokumentation der Verbrechen. Unmittelbar nach der Befreiung publizierten sie erste Quellen und Analysen, die in der Erstausgabe zumeist auf Jiddisch verfasst waren und zum Teil bis heute nur einem kleinen Kreis bekannt sind. So auch die Werke des jüdischen Shoah-Überlebenden Joseph Wulfs. Diese wurde von den etablierten Historikern der Bundesrepublik Deutschland lange Zeit pauschal als unwissenschaftlich abqualifiziert und sein jüdischer Verfasser persönlich diffamiert. Wulf griff dem, was später als Täterforschung akademische Karriere machte, in seinen Studien vor. Trotzdem blieb er als Jude, Staatenloser und Privatgelehrter zeitlebens ein Außenseiter der Geschichtswissenschaft. Nach seinem Tod geriet sein Werk weitestgehend in Vergessenheit. Erst in jüngerer Zeit wird seine Person wieder wahrgenommen. Der Film von Henryk M. Broder (BRD 1977, 90 Minuten) ist eine der ersten Würdigungen des jüdischen Historikers überhaupt.

Der Eintritt ist frei.

Eine Veranstaltung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Leipzig anlässlich des 80. Jahrestags der Novemberpogrome in Kooperation mit dem Cineding.

Exkursion nach Chemnitz – Ein Bericht

Gestern unternahmen etwa 20 Mitglieder und FreundInnen der DIG Leipzig bei bestem Spätsommerwetter einen Ausflug nach Chemnitz, um dort auf „jüdischen Spuren“ zu wandeln. Wir starteten auf dem Jüdischen Friedhof am Kaßberg, wo uns Udo Meyer, Gästeführer und Mitglied des Freundeskreises der Jüdischen Gemeinde, zeigte, dass „unter jedem Grabstein eine Weltgeschichte“ (Heinrich Heine) verborgen liegt. Dank der unermüdlichen Arbeit und des Fundraisings des Freundeskreises konnten in den letzten zehn Jahren 500 Grabsteine, darunter auch besonders schöne Jugendstilgräber, gerettet werden. Etliche stehen jedoch noch aus.
Nach einem Schlenker über Stefan Heyms ehemalige Wohnstätte statteten wir im Anschluss an die sachkundige Führung dem Restaurant SCHALOM einen solidarisch-kulinarischen Besuch ab. Das Schalom und dessen Inhaber Uwe Dziuballa wurden kürzlich am Rande der rechtsextremen Demonstrationen attackiert und stehen seitdem verstärkt im Fokus von Politik und Öffentlichkeit – auch wenn das Restaurant bereits in der Vergangenheit wiederkehrend zur Zielscheibe antisemitischer Vorfälle wurde, wie uns Lars Ariel Dziuballa, Bruder des Inhabers, berichtete.
Wir erwarten von der sächsischen Landesregierung, dass sie jetzt handelt und effektive Maßnahmen zur Bekämpfung von Antisemitismus jeder Façon im Freistaat vorantreibt.
Der Familie Dziuballa wünschen wir alles Beste und hoffen, dass sie ihre köstlichen und Michelin-prämierten Gaumenfreuden noch lange in Chemnitz zubereiten werden. Bei allen TeilnehmerInnen bedanken wir uns für das große Interesse und den angenehmen Tag!

Exkursion: Jüdische Spuren in Chemnitz

Sonntag, 16. September 2018, 9:00-17:00 Uhr

Auch wenn Chemnitz dieser Tage kein Synonym für Vielfalt ist: Bis in die 1930er Jahre war die Stadt von einer blühenden jüdischen Kultur geprägt. Bekannte jüdische Schriftsteller wie Stefan Heym, Stephan Hermlin oder der Schauspieler Michael Degen wurden hier geboren. Alle drei mussten vor den antisemitischen Verfolgungen der Nationalsozialisten ins Exil fliehen. Die überwältigende Mehrheit der Chemnitzer Juden wurde jedoch in Konzentrationslager deportiert und ermordet. Nach der Wende vergrößerte sich die jüdische Gemeinde in der ehemaligen Karl-Marx-Stadt wieder. Heute wird das einzige koschere Bier Deutschlands, Simcha, in Chemnitz gebraut.

Die DIG AG Leipzig lädt herzlich dazu ein, auf einer Exkursion das jüdische Leben der Chemnitzer Vergangenheit und Gegenwart kennenzulernen. Auf einem geführten Stadtrundgang werden wir jüdischen Spuren in Architektur, Wirtschaft und Kultur nachgehen und den Alten Jüdischen Friedhof besuchen. Anschließend möchten wir im koscheren Restaurant „SCHALOM“ die Exkursion bei hervorragendem Essen und dem ein oder anderen Simcha ausklingen lassen.

Die Programmpunkte im Einzelnen:
09.00 Uhr Treffpunkt in Leipzig
11.00 Uhr Geführter Rundgang: „Jüdische Spuren auf dem Kaßberg“
13.30 Uhr Mittagessen im koscheren Restaurant „Schalom“
16.30 Uhr Rückfahrt nach Leipzig

Die Kosten für Hin- und Rückreise, Führung sowie kleine Snacks trägt die DIG Leipzig. Größere Speisen und Getränke im „Schalom“ können leider nicht übernommen werden.

Sowohl Mitglieder der Deutsch-Israelischen Gesellschaft als auch Interessierte sind herzlich willkommen!
Bitte melden Sie sich per E-Mail bis zum 14.9. verbindlich an: leipzig@digev.de

Eine Stimme gegen den Judenhass

Podium in Leipzig fordert Antisemitismusbeauftragten für Sachsen

v.l.nr.: Julius Book, stv. AG-Vorsitzender, Küf Kaufmann, Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinde Leipzig, Christian Kleindienst, AG-Vorstand, Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung für jüdischen Leben und dem Kampf gegen Antisemitismus, Ahmad Mansour, Psychologe und Autor, Anja Thiele, AG-Vorstand für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Matheus Hagedorny, AG-Vorsitzender

Leipzig. Am Montagabend diskutierten der Bundesbeauftragte für Antisemitismus, Dr. Felix Klein, und Bestseller-Autor und Psychologie Ahmad Mansour in Leipzig über gegenwärtige Ausprägungen und Mittel gegen den Judenhass. Unter dem Titel „Du Jude! Der alltägliche Antisemitismus in Deutschland“ hatte die Leipziger Volkshochschule in Kooperation mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Leipzig in die Aula der vhs geladen. Klein forderte abschließend einen Antisemitismusbeauftragten für Sachsen.

Die 150 bunt gemischten Besucher, die den Raum vollständig füllten, machten deutlich, dass das Thema derzeit unter allen Alters- und Gesellschaftsschichten auf den Nägeln brennt. Judenfeindliche Sprüche und antisemitische Vorfälle, so die VHS-Leiterin Heike Richter in ihrer Begrüßung, sind in der Bundesrepublik wieder salonfähig. Auch auf Leipziger Schulhöfen sei „Du Jude!“ wieder zum gängigen Schimpfwort geworden.

Der seit Mai dieses Jahres amtierende Beauftragte des Bundes für jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus, Dr. Felix Klein, betonte, Deutschland müsse aus historischer Verantwortung alle Formen des Antisemitismus gleichermaßen adressieren. Er wolle sich auf Bundesebene für ein Verbot der judenfeindlichen Quds-Märsche, die alljährlich von Anhängern der Hisbollah auf Geheiß des iranischen Regimes in Deutschland organisiert werden, einsetzen. Darüber hinaus qualifizierte er die israelfeindliche Boykott-Kampagne BDS als antisemitisch.

Angesichts der rechtsradikalen Mobilisierungserfolge in Chemnitz erneuerte Klein jedoch auch seine Forderung nach einem Antisemitismusbeauftragten für Sachsen. Rechte Gewalt könne sich jederzeit auch gegen Juden wenden, daher seien koordinierte Präventionsmaßnahmen gefragt. Ein Antisemitismusbeauftragter für Sachsen solle in der Lage sein, antisemitische Übergriffe im Bundesland zu dokumentieren und sich für politische und schulische Bildungsangebote einsetzen. Klein forderte, die Ausprägungen des Antisemitismus, deutsche Erinnerungskultur und der Nahostkonflikt müssen „prüfungsrelevanter Pflichtstoff“ an den Schulen werden, um antisemitischen Tendenzen in allen Herkunftsmilieus entgegen zu wirken.

Dass der wachsende Antisemitismus unter anderem mit der steigenden Anzahl muslimischer Einwanderer in Deutschland zu tun hat, steht für den Antisemitismus-Experten Ahmad Mansour außer Frage. Selbst aus einer arabisch-muslimischen Familie stammend, betonte er, dass Kinder aus muslimischen Milieus bereits von klein zu einem einseitigen, negativen Israelbild erzogen. Diese vermeintliche „Israelkritik“ sei leicht als Antisemitismus zu entlarven: sie sei unverhältnismäßig dämonisierend und verbindet sich oft mit Legenden einer weltweiten jüdischen Verschwörung. Dadurch unterscheide sich der Antisemitismus auch grundlegend von Rassismus, der seine Opfer stets nur abwerte.

Mansour, der auf eine langjährige Erfahrung in der Projektarbeit mit muslimischen Jugendlichen zurückblicken kann, forderte daher einen konsequenteren Umgang mit muslimischem Antisemitismus in politischer Bildungsarbeit und Schule. Projektarbeit, die aufgrund falscher Toleranz Muslime nur als schützenswerte „Kuscheltiere“ verstünde, sei verfehlt. Er setzte sich für eine Bildungsarbeit auf Augenhöhe ein, die ihre Zielgruppe ernst nimmt, Konflikte nicht scheut und neue, demokratische Gegennarrative schafft – vor allem auch im Internet. Durch den rundum lehrreichen Abend führte der Nahost-Experte Dr. Thomas Feist.

Leipzig, den 3. September 2018