Exkursion: Jüdische Spuren in Chemnitz

Sonntag, 16. September 2018, 9:00-17:00 Uhr

Auch wenn Chemnitz dieser Tage kein Synonym für Vielfalt ist: Bis in die 1930er Jahre war die Stadt von einer blühenden jüdischen Kultur geprägt. Bekannte jüdische Schriftsteller wie Stefan Heym, Stephan Hermlin oder der Schauspieler Michael Degen wurden hier geboren. Alle drei mussten vor den antisemitischen Verfolgungen der Nationalsozialisten ins Exil fliehen. Die überwältigende Mehrheit der Chemnitzer Juden wurde jedoch in Konzentrationslager deportiert und ermordet. Nach der Wende vergrößerte sich die jüdische Gemeinde in der ehemaligen Karl-Marx-Stadt wieder. Heute wird das einzige koschere Bier Deutschlands, Simcha, in Chemnitz gebraut.

Die DIG AG Leipzig lädt herzlich dazu ein, auf einer Exkursion das jüdische Leben der Chemnitzer Vergangenheit und Gegenwart kennenzulernen. Auf einem geführten Stadtrundgang werden wir jüdischen Spuren in Architektur, Wirtschaft und Kultur nachgehen und den Alten Jüdischen Friedhof besuchen. Anschließend möchten wir im koscheren Restaurant „SCHALOM“ die Exkursion bei hervorragendem Essen und dem ein oder anderen Simcha ausklingen lassen.

Die Programmpunkte im Einzelnen:
09.00 Uhr Treffpunkt in Leipzig
11.00 Uhr Geführter Rundgang: „Jüdische Spuren auf dem Kaßberg“
13.30 Uhr Mittagessen im koscheren Restaurant „Schalom“
16.30 Uhr Rückfahrt nach Leipzig

Die Kosten für Hin- und Rückreise, Führung sowie kleine Snacks trägt die DIG Leipzig. Größere Speisen und Getränke im „Schalom“ können leider nicht übernommen werden.

Sowohl Mitglieder der Deutsch-Israelischen Gesellschaft als auch Interessierte sind herzlich willkommen!
Bitte melden Sie sich per E-Mail bis zum 14.9. verbindlich an: leipzig@digev.de

Eine Stimme gegen den Judenhass

Podium in Leipzig fordert Antisemitismusbeauftragten für Sachsen

v.l.nr.: Julius Book, stv. AG-Vorsitzender, Küf Kaufmann, Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinde Leipzig, Christian Kleindienst, AG-Vorstand, Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung für jüdischen Leben und dem Kampf gegen Antisemitismus, Ahmad Mansour, Psychologe und Autor, Anja Thiele, AG-Vorstand für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Matheus Hagedorny, AG-Vorsitzender

Leipzig. Am Montagabend diskutierten der Bundesbeauftragte für Antisemitismus, Dr. Felix Klein, und Bestseller-Autor und Psychologie Ahmad Mansour in Leipzig über gegenwärtige Ausprägungen und Mittel gegen den Judenhass. Unter dem Titel „Du Jude! Der alltägliche Antisemitismus in Deutschland“ hatte die Leipziger Volkshochschule in Kooperation mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Leipzig in die Aula der vhs geladen. Klein forderte abschließend einen Antisemitismusbeauftragten für Sachsen.

Die 150 bunt gemischten Besucher, die den Raum vollständig füllten, machten deutlich, dass das Thema derzeit unter allen Alters- und Gesellschaftsschichten auf den Nägeln brennt. Judenfeindliche Sprüche und antisemitische Vorfälle, so die VHS-Leiterin Heike Richter in ihrer Begrüßung, sind in der Bundesrepublik wieder salonfähig. Auch auf Leipziger Schulhöfen sei „Du Jude!“ wieder zum gängigen Schimpfwort geworden.

Der seit Mai dieses Jahres amtierende Beauftragte des Bundes für jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus, Dr. Felix Klein, betonte, Deutschland müsse aus historischer Verantwortung alle Formen des Antisemitismus gleichermaßen adressieren. Er wolle sich auf Bundesebene für ein Verbot der judenfeindlichen Quds-Märsche, die alljährlich von Anhängern der Hisbollah auf Geheiß des iranischen Regimes in Deutschland organisiert werden, einsetzen. Darüber hinaus qualifizierte er die israelfeindliche Boykott-Kampagne BDS als antisemitisch.

Angesichts der rechtsradikalen Mobilisierungserfolge in Chemnitz erneuerte Klein jedoch auch seine Forderung nach einem Antisemitismusbeauftragten für Sachsen. Rechte Gewalt könne sich jederzeit auch gegen Juden wenden, daher seien koordinierte Präventionsmaßnahmen gefragt. Ein Antisemitismusbeauftragter für Sachsen solle in der Lage sein, antisemitische Übergriffe im Bundesland zu dokumentieren und sich für politische und schulische Bildungsangebote einsetzen. Klein forderte, die Ausprägungen des Antisemitismus, deutsche Erinnerungskultur und der Nahostkonflikt müssen „prüfungsrelevanter Pflichtstoff“ an den Schulen werden, um antisemitischen Tendenzen in allen Herkunftsmilieus entgegen zu wirken.

Dass der wachsende Antisemitismus unter anderem mit der steigenden Anzahl muslimischer Einwanderer in Deutschland zu tun hat, steht für den Antisemitismus-Experten Ahmad Mansour außer Frage. Selbst aus einer arabisch-muslimischen Familie stammend, betonte er, dass Kinder aus muslimischen Milieus bereits von klein zu einem einseitigen, negativen Israelbild erzogen. Diese vermeintliche „Israelkritik“ sei leicht als Antisemitismus zu entlarven: sie sei unverhältnismäßig dämonisierend und verbindet sich oft mit Legenden einer weltweiten jüdischen Verschwörung. Dadurch unterscheide sich der Antisemitismus auch grundlegend von Rassismus, der seine Opfer stets nur abwerte.

Mansour, der auf eine langjährige Erfahrung in der Projektarbeit mit muslimischen Jugendlichen zurückblicken kann, forderte daher einen konsequenteren Umgang mit muslimischem Antisemitismus in politischer Bildungsarbeit und Schule. Projektarbeit, die aufgrund falscher Toleranz Muslime nur als schützenswerte „Kuscheltiere“ verstünde, sei verfehlt. Er setzte sich für eine Bildungsarbeit auf Augenhöhe ein, die ihre Zielgruppe ernst nimmt, Konflikte nicht scheut und neue, demokratische Gegennarrative schafft – vor allem auch im Internet. Durch den rundum lehrreichen Abend führte der Nahost-Experte Dr. Thomas Feist.

Leipzig, den 3. September 2018

Der alltägliche Antisemitismus in Deutschland

Eine Podiumsdiskussion mit Ahmad Mansour und Dr. Felix Klein

Montag, 3. September 2018 von 18:00 bis 20:00
Volkshochschule Leipzig (Löhrstr. 3-7, 04105 Leipzig, Germany)

Antisemitismus hat wieder Konjunktur – sei es in der Rechten, der Linken, der Mitte der Gesellschaft – oder teils sehr ausgeprägt in arabischen und muslimischen Milieus. Auch in Leipziger Schulklassen ist „Du Jude!“ ein geläufiges Schimpfwort. Unter jüdischen Bürgern wächst die Sorge vor Beschimpfungen, Übergriffen und Anschlägen, die seit Jahren wieder zunehmen. Diese Entwicklung ist nicht nur ein Problem für Juden, sondern gefährdet die Vielfalt und das Zusammenleben in der gesamten Gesellschaft.

Es ist wichtig, genau hinzusehen und sich der wachsenden Herausforderung durch zunehmende Judenfeindschaft zu stellen, die sich nicht nur in muslimischen Milieus bevorzugt an Israel entzündet. Haben wir überhaupt einen Überblick über das Ausmaß antisemitischer Einstellungen und Übergriffe im Land? Welche Gegenmaßnahmen kann man von Bildungseinrichtungen, Polizei und Justiz erwarten? Gibt es in den politischen Parteien und religiösen Verbänden ein angemessenes Problembewusstsein?

Wie kann es schließlich gelingen, die Bekämpfung des alltäglichen Antisemitismus mit säkularen, aufklärerischen und demokratischen Konzepten politischer Bildung, Pädagogik und Integration voranzubringen?

Darüber diskutieren:

Dr. Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus
Ahmad Mansour, Psychologe und Autor

Moderation: Dr. Thomas Feist, MdB a.D., LeipzigConsult

Der Eintritt ist entgeltfrei.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der VHS Leipzig.

Israelsolidarischer Block gegen den Mob in Chemnitz

Samstag, 1. September 2018, 14 Uhr
Treffpunkt: Hauptbahnhof Leipzig

„Es ist jetzt Bürgerpflicht, sich dem rechten Mob entgegenzustellen. Nie wieder darf es in Deutschland akzeptiert werden, dass Menschen nur wegen ihres Äußeren oder ihrer Herkunft angegriffen werden. Nie wieder dürfen wir es hinnehmen, dass eine politische Gruppe bestimmt, wer dazu gehört und wer nicht! Wir müssen diesem Mob Einhalt gebieten – jetzt! Bevor es zu spät ist.“
(Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland)

Wir unterstützen den Appell des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Deshalb rufen wir alle IsraelfreundInnen aus Leipzig dazu auf, sich mit uns am 1. September an den Protesten gegen die extrem rechte Mobilisierung in Chemnitz zu beteiligen.

Das Mitführen von Israelfahnen ist ausdrücklich erwünscht!

Start-up Nation Israel, June 21, 2017

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft Leipzig, das Junge Forum der DIG, der Club International und KPMG laden ein, um mit israelischen Unternehmern und dem Gesandten für Wirtschaft und Handel der israelischen Botschaft über das Thema „Start-up Nation Israel“ zu sprechen!

Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt.

Wichtig: Eine Anmeldung über info@club-international.de ist zwingend erforderlich!

English description below:

“In Israel, in order to be a realist you must believe in miracles.” – Ben Gurion

Israel is widely known as an innovative start-up power house in the challenging environment of the Middle East. Eight years after the book “Start-up Nation” provided the world with insights into the resilience of the Israel’s business sector we would like to discuss and review what made Israel so outstanding in the past and then attempt an outlook at its prospects for achieving a sustainable growth in the future.
Which factors lead to Israel’s success in the field of start-ups? How will growing cost of living and work force affect Israel’s ability to attract venture capital, create jobs, and produce stunning technology?
In this regard, we also want to learn more about the possibilities of German-Israeli cooperation in the field of start-ups, venture capital, and about key differences and similarities in business culture as well as the right way to establish a mutually beneficial business relationship.
The Club International Leipzig, the Deutsch-Israelische Gesellschaft Leipzig and KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft are looking forward to discussing these topics with Israeli business experts and serial entrepreneurs.

Doron Abrahami
Head of the Economic and Trade Mission in the Israeli Embassy in Berlin. He is an industrial engineer by profession and holds a Master in Public Policy. Before leaving to Berlin, Doron headed the administration for Environment and Sustainable Development at the Ministry of Economy in Jerusalem for the past five years.

Eran Aloni
Eran is a Managing Partner at Nine Ten Capital GmbH, a Berlin based – Investment Banking boutique that specializes in technology companies. He has founded his first start-up in 1998 and has since then co-founded and managed start-ups in the fields of IOT, CleanTech, e-commerce, medical devices.

Tal Bone
Tal is an entrepreneur and product expert. He has a career track record of success in the development of diverse, effective and innovative products. He is the co-founder of Optee.me and Dmyon Media. Since 2016 he works as product director at the Innogy innovation hub in Berlin.

With friendly support from:
KPMG

June 21, 2017, 6:30 PM
Club International
Käthe-Kollwitz-Straße 115, 04109 Leipzig

Protest gegen Einladung von Norman Finkelstein durch das Max-Planck-Institut

Die Einladung von Norman Finkelstein durch das Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung Halle bleibt eine absurde Entscheidung. Umso mehr freut es die DIG, dass die Einladung auf vielfältigen Protest traf. Besonders irritierend ist zudem der intransparente Umgang des Max-Planck-Instituts (MPI) mit der Einladung Finkelsteins:

Das MPI Halle kann weiterhin nicht überzeugend darlegen, was ausgerechnet Norman Finkelstein dazu qualifiziert zum Thema „Rechtfertigung des Einsatzes von staatlicher Gewalt“ zu sprechen. 

Norman Finkelstein brüstete sich in der Vergangenheit mehrfach damit, in keinem einzigen wissenschaftlichen Journal veröffentlicht worden zu sein. Und in der Folge beinhaltet schon der Ankündigungstext des Seminars „Gaza: an inquest into its martyrdom“ sachliche Fehler, wie die wiederkehrende Behauptung, Gaza sei dichter besiedelt als Tokio. 

Weiterhin wird dort die tragende Rolle der Hamas in den vergangenen Konflikten relativiert und der anhaltende Beschuss Israels durch Raketen aus Gaza genauso wie die Existenz von Tunneln, die die israelische Zivilbevölkerung bedrohen sollten, geleugnet. 

Es ist vor diesem Hintergrund nicht nachvollziehbar, wie durch Finkelstein, wie vom MPI behauptet, ein sinnvoller Beitrag zur rechtswissenschaftlichen Forschung geleistet werden soll. 

Die Wissenschaftsfreiheit ist nicht verhandelbar – in Zeiten von Fake-News und alternativen Fakten ist die Einladung von Finkelstein durch ein renommiertes Institut das sich der Grundlagenforschung verschrieben hat, jedoch besonders schmerzlich. Wir fordern das Max-Planck-Institut daher dazu auf, seine Einladungspraxis künftig zu überdenken und sich deutlicher als bisher von den Gedanken und Äußerungen Norman Finkelsteins zu distanzieren.

 

Deutsch-Israelische Gesellschaft e.V.

Berlin, den 2. Februar 2017